Donnerstag, 4. August 2016

Sachthemen veranschaulichen

Mit Hilfe von didaktischen Apps, die ähnlich den Programmen der Museumspädagogik auf Anschaulichkeit und Interaktivität ausgelegt sind, lassen sich bestimmte Sachinhalte besser veranschaulichen als mit Modellen. Es gibt eine Reihe von Apps für die Sachfächer, von denen ich zwei exemplarisch vorstellen möchte:


Die kostenlose App "Engine" ist das Modell eines laufenden Viertaktmotors, dessen Geschwindigkeit man manuell einstellen kann. Mit den Fingern kann man den Motor in alle Richtungen drehen und zoomen.

Im Biologieunterricht kann die kostenlose App Virtual Heart gute Dienste tun, wenn das Herz durchgenommen wird. Die App gewährt einen recht realistischen Blick auf das Äußere und Innere des menschlichen Herzens und man kann die elektrischen Impulse und den Blutstrom zuschalten, sowie die Herzklappen und ihre Funktionsweise hervorheben. Das Herz pumpt in einer Endlosschleife, wobei man die Pumpfrequenz manuell einstellen kann.

Mind Maps

Mit Mind Maps kann man im Unterricht gut Zusammenhänge darstellen und auch Brainstorming von Schülern in einem anschaulichen Tafelbild strukturieren. In meinem Unterricht hat sich dafür die App Simple Mind+ bewährt. In der kostenpflichtigen Version kann man alle möglichen Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen herstellen, Bilder einfügen und die Elemente farblich gestalten. Das Interessante an dieser App ist, dass sich die einzelnen Elemente sowohl manuell als auch automatisch anordnen lassen. Damit ist das Aussehen der Mind Map in der Hand des Autors und nicht einer vorgegebenen Struktur unterworfen.


Als Tafelbildersatz kann man frei Elemente einfügen, ohne dass wie bei Kreidetafeln, der Platz ausgeht. Ein fertiges Mind Map, das mit Schülern im Plenum erarbeitet wurde, kann den Schülern über die Exportfunktion digital zur Verfügung gestellt werden, oder ausgedruckt und als Kopie weitergereicht werden.


Im Unterricht in den iPad-Klassen können die Schüler selbst die Lerninhalte in Mind Maps strukturieren, was den Lernprozess fördert. Jede "Landkarte" sieht dann anders aus. Der Schüler muss also nicht die (Gehirn-)Struktur der Lehrkraft übernehmen, sondern findet ein für sich passendes Konstrukt.

Zufallsgenerator für Gruppeneinteilung

Mit der App "Random" kann man sich einen Reihe von Zahlen generieren lassen, mit Hilfe derer man dann Aufgaben verteilen oder Gruppen einteilen kann. In der Praxis sieht das dann so aus: Jedem Schüler wird eine Zahl zugeordnet, entweder aus einer existierenden Klassenliste oder durch Abzählen. Der Zufallsgenerator generiert auf Wunsch eine zufällige Zahlenreihe. Die Lehrkraft kann dann Aufgaben verteilen, indem sie die Zahlenreihe vorliest: "Die Schüler mit folgenden Nummern erledigen die ersten beiden Aufgaben: 21, 15, 7, 3."

Kreatives Schreiben mit Bilderwürfeln

Die App Story Dice eignet sich hervorragend für alle Klassen, von der ersten bis zur letzten, um kreative Erzähltexte (mündlich oder schriftlich) zu verfassen. Das kann im muttersprachlichen als auch im fremdsprachlichen Unterricht geschehen.


Man hat die Möglichkeit in den Einstellungen zwischen einem und zehn Würfeln zu wählen, die dann mit einem Tippen auf die Oberfläche des iPads neu gewürfelt werden. Es erscheinen immer neue icon-artige Bilder. Durch die recht abstrakten Bildchen kann die Fantasie angeregt werden.


Wie kann man diese Würfel also einsetzen? In den Einstellungen unter "Helpful Tips" sind ein paar Ideen beschrieben, auf Englisch zwar, aber das sollte für die meisten kein Problem darstellen.


Ich habe die App eingesetzt um die Schüler im Englischunterricht kurze Geschichten schreiben zu lassen, die die Inhalte von drei Würfeln enthalten sollten. Ob man ihnen nur drei Würfel präsentiert oder mehr und die Schüler dann drei aussuchen lässt, kann man selbst entscheiden.


Der einzelne Würfel ist nützlich, wenn man die Schüler mündlich eine fortgesetzte Geschichte erzählen lässt. Bei jedem neuen Erzähler würfelt man ein neues Bild. Die Geschichte kann damit immer neue Wendungen nehmen. Nach ein paar Sprechern ist die Geschichte aus und eine neue beginnt.



Das iPad als Dokumentenkamera

Mit einer passenden Halterung kann das iPad als Dokumentenkamera genutzt werden. Es gibt verschiedene Halterungen, die speziell für den Gebrauch des iPads als Dokumentenkamera in der Schule konzipiert sind, allerdings sind diese oft teuer. Kostengünstiger ist ein einfacher Schwanenhalsständer, der am Lehrertisch angeklemmt wird und sich dann in die gewünschte Position biegen lässt. Die passende App dazu ist entweder eine Kamerapp mit der Option von manuellem Fokus (z. B. Manual Shot) oder eine spezielle Dokumentenkamera-App wie "Stage". Kamera-Apps gibt es recht viele, man muss lediglich darauf achten, dass die ganzen Bedienelemente aus dem Bild verschwinden, da sie bei der Nutzung als Dokumentenkamera stören. Bei Manual Shot muss man lediglich in die Mitte des Bildes tippen, damit alles (bis auf den Auslöseknopf) verschwindet.
Auf dem Bild sind die Bedienelemente übrigens noch zu sehen, sie sind allerdings recht dezent.




Scannen und Texterkennung für das papierlose Arbeiten

Die gewieften und mit dem digitalen Arbeiten vertrauten Schülerinnen und Schüler wissen genau, was sie machen müssen, wenn ihnen "analoge" Handouts auf Papier vorgelegt werden. Sie öffnen eine Scan-App, z. B. Scanner Pro von Readdle, und fotografieren das Papier ab. Mit der App können mehrseitige Scans in vier Qualitäten gemacht werden (Farbdokument, Schwarzweiß, Farbfoto und Graustufenbild). Der zu scannende Bereich kann manuell oder automatisch erfolgen. Wenn das Papier also auf einer kontrastierenden Unterlage liegt, erkennt die App die Ränder des Dokuments sehr gut und löst die Aufnahme automatisch aus. Wenn die Aufnahme Text enthält und scharf und kontrastreich ist, kann der Text in der Nachbearbeitung auch gelesen und in anderen Apps weiter verwendet werden. Damit können nur auf Papier vorliegende Dokumente schnell und problemlos digital weiter verarbeitet werden. Auch schon vorhandene Bilder auf dem Gerät können "eingescannt" werden, inklusive der Texterkennung. Die Texterkennung ist erstaunlich gut und man kann falsch erkannte Zeichen manuell ändern. Der Zeitaufwand im Vergleich zum Eintippen eines Textes ist deutlich geringer.

QR-Codes mal anders

Mit der App Qrafter Pro kann man QR Codes sowohl lesen als auch erstellen. Die kompakten Quadrate mit ihrem schachbrettartigen Muster werden häufig dazu verwendet, eine Internetadresse zu verschlüsseln, damit man sie schnell aufrufen kann, ohne lange Zeichenfolgen im Browserfenster einzugeben. Im Unterricht kann man die Schüler damit schnell auf die richtige Web-Seite leiten. Es genügt häufig, den QR-Code an die Wand zu projizieren. Das Bild muss lediglich kontrastreich genug sein.


Aber QR-Codes können mehr als nur Internetadressen abbilden. Man kann auch einfachen Text damit verschlüsseln und damit z. B. eine Lern-Rally gestalten, in der die jeweils zu erledigenden Arbeitsschritte als Codes verschlüsselt werden. Oder man gibt Übungen aus, deren Lösungen zur Selbstüberprüfung als QR-Code ausgedruckt sind. Da kann man dann nicht spicken, sondern muss aktiv die Lösungen decodieren.


QR-Codes erwecken auf jeden Fall die Neugierde der Schüler und ein codierter Text wird ziemlich genau gelesen.


Der hier veröffentlichte QR-Code enthält den Text von oben. Da der Text recht lang ist, ist der Code recht fein und man braucht eine gute Auflösung oder einen passend großen Ausdruck (A4 genügt immer), damit er gelesen werden kann. Der Text kann, wenn er auf dem iPad gelesen wird, in anderen Apps weiter verwendet werden.